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Neue Expertise zur Künstlichen Intelligenz

Fünf weitere Professorinnen und Professoren erforschen an der Universität Tübingen Maschinelles Lernen aus unterschiedlichsten Perspektiven

Die Universität Tübingen baut ihre Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz weiter aus: Fünf neue Professuren wurden mit WissenschaftlerInnen besetzt, die im Bereich des Maschinellen Lernens forschen. Anna Levina untersucht, wie sich neuronale Prozesse organisieren und entwickelt Instrumente, mit denen sich ihre Rechenfähigkeiten überprüfen lassen. An der Medizinischen Fakultät arbeitet Philipp Berens daran, maschinelle Lernalgorithmen in der klinischen Diagnostik einzusetzen, insbesondere bei degenerativen Augenerkrankungen. Neben Anna Levina und Philipp Berens, beide aktive Mitglieder des Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience, wurden Andreas Geiger, Philipp Hennig und Michael Krone berufen.

„Wir freuen uns, dass wir diese exzellenten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Universität Tübingen gewinnen konnten“, sagt Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. „Die Vision des Cyber Valley bekommt damit ein Gesicht und sehr konkrete Aufgabenstellungen im Bereich des Maschinellen Lernens, die hier künftig bearbeitet werden.“

„Die internationale Anziehungskraft des Cyber Valley wächst zusehends“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Die herausragenden Talente, die die Universität Tübingen nun gewinnen konnte, belegen, dass wir die Idee, die Region Stuttgart-Tübingen zu einem internationalen Schwergewicht im Bereich der Künstlichen Intelligent zu machen, zügig umsetzen können. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt diese Entwicklung nach Kräften.“

Philipp Berens

Philipp Berens (geb. 1981) wurde im April 2018 auf die Heisenberg-Professur für „Data Science in der Sehforschung“ am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Medizinischen Fakultät berufen. Er war dort bereits seit 2016 Leiter der gleichnamigen Forschungsgruppe und ist Mitglied des Tübinger Exzellenzclusters Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN).

Philipp Berens hat Bioinformatik und Philosophie an der Universität Tübingen studiert. Er forschte als Doktorand am Tübinger Max Planck Institut für Biologische Kybernetik und am Baylor College of Medicine in Houston (USA) und wurde 2013 an der International Max Planck Research School in Tübingen zum Thema „Neuronale Codierung im visuellen Kortex“ promoviert. Als Postdoktorand forschte er am Bernstein Center for Computational Neuroscience im Labor von KI-Forscher Matthias Bethge an der Universität Tübingen, zudem war er Postdoktorand am Baylor College. 2015 erhielt er den Bernstein-Preis des Bundeforschungsministeriums.

Als „Data Scientist“ untersucht Berens im Forschungsinstitut für Augenheilkunde die neuronalen Schaltkreise der Netzhaut. Er möchte die Prinzipien neuronaler Berechnungen beim Sehen entschlüsseln und zudem verstehen, wie die Arbeit der Nervenzellen im Auge bei degenerativen Erkrankungen beeinträchtigt wird. Seine Forschungsgruppe entwickelt maschinelle Lernalgorithmen, die in der klinischen Diagnostik solcher Krankheiten eingesetzt werden können. „Sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Diagnostik gibt es zunehmend komplizierte, multimodale Datensätze: Diese kombinieren unterschiedliche Datentypen, beispielsweise aus der Physiologie, Anatomie oder Genetik. Noch stellt uns die Zusammenführung der Datentypen vor große Herausforderungen", erklärt er.

Anna Levina

Anna Levina (geb. 1981) wurde zum Juli 2018 auf die Juniorprofessur für „Kritikalität und Optimalität in Neuronalen Systemen“ im Fachbereich Informatik berufen. Sie hat an der Universität St. Petersburg Mathematik studiert und wechselte 2004 an die Universität Göttingen, wo sie 2008 zum Thema „Identification in Mathematical Models“ promoviert wurde. Als Postdoktorandin forschte sie am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und ab 2011 am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig.

Von 2015 bis 2017 war Anna Levina Fellow am Institute of Science and Technology in Klosterneuburg, Österreich. Seit April 2017 arbeitet sie im Bereich der computergestützten Neurowissenschaften an der Universität Tübingen, am Bernstein Center for Computational Neuroscience und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik Tübingen. 2017 erhielt sie mit dem Sofja Kovalevskaja-Preis der Humboldt-Stiftung eine der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen Deutschlands.

Ihr Forschungsinteresse konzentriert sich auf die Prinzipien, die hinter der Organisation und den Mechanismen neuronaler Vorgänge stehen: Wie entsteht bei Milliarden von Neuronen eine bestimmte Verdrahtung im Gehirn? Und wie werden Informationen optimal von einer Gehirnstruktur in eine andere übertragen? Diese und ähnliche Fragen stehen im Fokus von Levinas Forschung. Die Mathematikerin möchte Instrumente und Modelle für die Datenanalyse entwickeln, mit denen sich neuronale Zustände und ihre Rechenfähigkeiten untersuchen lassen. Die Ergebnisse könnten Wege für die Optimierung künstlicher neuronaler Netzwerke eröffnen.

Modifiziert nach Originaltext von Antje Karbe, Eberhard Karls Universität Tübingen

 

Originaltext:

https://www.uni-tuebingen.de/en/university/news-and-publications/press-releases/press-releases/article/neue-expertise-zur-kuenstlichen-intelligenz.html