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Pubertät keine reine Hormonsache

Wenn Ratten an ihren Genitalien berührt werden, verändert sich ihr Gehirn und die Pubertät beschleunigt sich. In der Großhirnrinde verdoppelt sich die Größe der Repräsentation der Genitalien, berichten Forscher des Bernstein Zentrums in Berlin.

Berlin, 21.09.17
Hormone oder sexueller Stimulus? Was beeinflusst die Pubertät und vor allem den Umbau des Gehirns heranwachsender Ratten? Schon länger bekannt ist, dass soziale Signale die Pubertät verzögern oder beschleunigen können. Welche sozialen Signale jedoch entscheidend sind und wie sie auf Körper und Gehirn wirken ist dagegen nicht eindeutig nachgewiesen. Eine neue Studie von Forschern des Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin und der Humboldt Universität zu Berlin hat gezeigt, dass sexuelle Berührungen die Pubertät möglicherweise stärker beeinflussen als bisher bekannt.

Constanze Lenschow, Johanna Sigl-Glöckner und Michael Brecht haben beobachtet, dass sich die Repräsentation der Genitalien in der Hirnrinde, dem größten Teil des Säugergehirns, in der Pubertät stark ausdehnt. Ihre Studie zeigt zunächst das Erwartbare. Geschlechtshormone beschleunigen die Pubertät und das Wachstum der sog. Genitalhirnrinde. Die Forscher zeigen, dass sexuelle Berührungen die Pubertät entscheidend beschleunigen können. Für Lenschow sind „die starken Effekte sexueller Berührungen auf Pubertät und Genitalhirnrinde bemerkenswert, weil man in dieser Hirnregion zu diesem Entwicklungsstadium eigentlich keine großen Veränderungen mehr erwartet“. Demnach bestimmen nicht nur Hormone, sondern auch sexuelle Berührungen die Vergrößerung der Genitalhirnrinde in der Pubertät.

In ihrer jüngsten Arbeit haben die Forscher dies nachgewiesen, indem sie zuerst junge weibliche Ratten mit erwachsenen männlichen Ratten zusammensetzten. Die gleiche Beschleunigung von Hirnwachstum und Pubertät wurde beobachtet, wenn Experimentatoren die Genitalien der Tiere berührten. Die Ergebnisse sind ab 21. September im open-access Journal PLOS Biology zu lesen.

„In der Großhirnrinde verändert sich die Abbildung des Körpers,“ so Brecht „insbesondere wird die Genitalregion plötzlich doppelt so groß. Unsere Ergebnisse helfen zu verstehen, warum sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers in der Pubertät so sehr verändert.“ Die Pubertät  und die mit ihr einhergehenden Veränderungen des Gehirns sind demnach keine rein hormonelle Angelegenheit, sondern werden durch sexuelle Erfahrungen mitbestimmt.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gerne:
Dr. Constanze Lenschow
Tel: +49 (0)30 2093 9110
E-Mail:

Prof. Dr. Michael Brecht
Tel: +49 (0)30 2093 6718
E-Mail:

Bernstein Zentrum Berlin/
Humboldt-Universität zu Berlin
10115 Berlin

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